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  • Roswitha Holly

Interview mit Alexander Giese aus der Serie "Fragen zur Kunst"


Mein erstes, für meine damaligen Verhältnisse, recht kostspieliges Kunstwerk habe ich 2005 bei Alexander Giese erworben. Es sind die Zebras aus der Fotoserie "Übermorgen" der österreichischen Künstlerin Margret Weber-Unger. Viele Jahre, einige Wohnungsumzüge und selbstverständlich -umgestaltungen später, hängen die Zebras immer noch bzw. wieder an einer Wand beim Esstisch, geben mir das Gefühl, ich speise im Rubenssaal des Kunsthistorischen Museums und bieten allerlei Gesprächsstoff bei Abendessen mit Freunden.


Alexander Giese © Patrick Tafner


Alexander Giese (geb. 1976 in Wien) ist seit 1998 als Kunsthändler bei „Giese und Schweiger“ tätig und dort seit 2008 Partner. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Arbeiten der beiden österreichischen Maler Peter Fendi und Olga Wisinger-Florian. 2018 schloss er seine Dissertation an der Universität Wien mit dem Titel „Olga Wisinger-Florian. Leben und Werk. Vom Poetischen Realismus zum Farbexpressionismus“ ab.



Lieber Herr Giese,



können Sie uns erzählen, weshalb Kunst in Ihrem Leben so wichtig ist und wie inspiriert Sie Kunst in Ihrem Beruf?

Es gibt in meinem Fall keine Lebensbereiche, die nicht in irgendeiner Weise von Kunst durchdrungen sind. Die Kunst rhythmisiert mein Leben. Und nachdem ich als Kunsthändler nicht nur mein privates, sondern auch mein berufliches Leben der Kunst widme, kann ich aus vollster Überzeugung behaupten, dass ich voll und ganz in und mit der Kunst lebe.


Umgeben Sie sich auch in Ihren privaten Räumen mit Kunst & Antiquitäten? Wie würden Sie Ihren Einrichtungsstil allgemein beschreiben?

In meiner Wohnung lebe ja nicht nur ich, sondern auch meine Frau und meine Kinder. Es ist also nicht unbedingt der geeignete Ort, seine ganz persönliche Individualität auszuleben. Wir leben im hier und jetzt und dadurch ergibt sich ganz natürlich eine Umgebung, die von Ideen der Gegenwart in einem höheren Maße bestimmt ist als von solchen der Vergangenheit. Außerdem kann ich meine Leidenschaft für Kunstwerke vergangener Tage im Rahmen meines Berufes zur Genüge ausleben.


Erzählen Sie uns über Ihre/n LieblingskünstlerIn. Was schätzen Sie an ihm/ihr? Besitzen Sie ein Werk von ihm/ihr und wo hängt es?

Ich verehre den britischen Pop Art Künstler Peter Philipps. Auch weil mich diese Leidenschaft mit meiner Schwiegermama verbindet. Sie hat mir vor einigen Jahren diesen Floh ins Ohr gesetzt und aus dem Floh wurde ein Albatross. Über die Jahre hinweg habe ich einige Werke von ihm erworben. Ein Bild, auf das ich besonders stolz bin, hängt im Schlafzimmer über dem Bett. Es ist ein Bild aus den späten 1960er Jahren und hatte einst Tony Curtis gehört.


Kunst als Investment. Wie stehen Sie dazu?

Auf jeden Fall ambivalent. Wir können das Thema nicht vom Tisch fegen, weil es nun einmal für viele Kaufentscheidungen ein relevanter Faktor ist. Und auch ich möchte zumindest keine großen Dummheiten begehen. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass man ein Kunstwerk diesem Stress der erwarteten positiven Entwicklung nicht aussetzen sollte. Wenn man kauft, was einem gefällt ist einem die emotionale Dividende gewiss. Viel mehr kann man von der Kunst ja auch nicht verlangen.


Gibt es etwas Positives, das Sie aus dem coronabedingten Lockdown mitgenommen haben?

Ich selbst habe die Zeit der verordneten Einkehr genützt, um einen eigenen Podcast ins Leben zu rufen. Was anfangs eine sympathische Idee war, ist mittlerweile zu einem festen Bestandteil meiner täglichen Arbeit geworden. Begeisterung und Liebe für die Kunst sind die wesentlichen Triebfedern für Ausgesprochen Kunst. Natürlich geht es aber auch um die kommerzielle Seite der Auseinandersetzung mit Kunst. Gerade weil es so vielfältig ist, macht es so viel Freude.




Welche Ausstellung, welches Projekt steht als Nächstes am Programm Ihrer Galerie?

Meine langjährige Mitarbeiterin Sonja Menches hat eine wunderbare Ausstellung über die Gruppe St. Stephan kuratiert, die zurzeit bei uns in der Akademiestrasse 1, 1010 Wien zu sehen ist. Josef Mikl, Arnulf Rainer, Markus Prachensky und Wolfgang Hollegha gehören zu den Fixsternen der österreichischen Nachkriegskunst. Es hat einer gewissen Kraftanstrengung bedurft, aber jetzt hängt die Ausstellung und wir sind sehr stolz!


Vielen Dank für das Interview!


Kontakt:

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Podcast “Ausgesprochen Kunst“: https://www.gieseundschweiger.at/de/podcast